Asylsuchende aus Eritrea

Schlagwörter: Asyl

Im Jahr 2017 sind rund 119 500 Migrantinnen und Migranten in Süditalien angelandet. Die allermeisten, nämlich 90 %, sind durch Libyen gereist. Rund 7000 Personen davon waren eritreische Staatsangehörige, das sind fast dreimal weniger als 2016 (20 700).  Im Jahr 2018 landeten 3320 Eritreer und Eritreerinnen in Italien an. 2019 ging die Zahl weiter zurück. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres kamen nur rund 50 eritreische Staatsbürger über die zentrale Mittelmeerroute nach Italien. Dies entspricht einem Anteil von weniger als 1% an allen in Italien angelandeten Migranten.

Asylgesuche in der Schweiz

Ein Mann arbeitet auf einer Waldlichtung und entfernt wilde Pflanzen.
enlarge_picture Ein eritreischer Asylsuchender bei einem freiwilligen Arbeitsdienst, wie sie von den Bundesasylzentren organisiert werden. (Foto: SEM © Thomas Kern)

Die Aufschlüsselung der neuen Asylgesuche von Eritreern zeigt, dass seit dem Jahr 2017 immer weniger Personen selbstständig eingereist sind und ein Asylgesuch einreicht haben. Im Jahr 2017 entfielen von den insgesamt 3375 neuen Gesuchen 1389 auf Geburten in der Schweiz, 797 gingen auf Familienzusammenführungen zurück und bei 63 Gesuchen handelte es sich um so genannte Mehrfachgesuche (2. Asylgesuch nach Ablehnung). 615 Personen gelangten im Rahmen des Relocation-Programmes auf legalem Wege in die Schweiz. Dieser Trend manifestierte sich auch im Jahr 2018. So wurden im Jahr 2018 insgesamt 2825 Asylgesuche registriert. Von diesen Asylgesuchen waren 491 (17.4 %) neue Asylgesuche nach selbständiger illegaler Einreise in die Schweiz. Damit war Eritrea betreffend Anzahl «neuer Asylgesuche» im Jahr 2018 im Vergleich zu den anderen Herkunftsländern nicht an erster, sondern an sechster Stelle. Dieser Trend verstärkte sich noch bis zum 30. September 2019. 214 (9.5 %) von insgesamt 2255 neuen Gesuchen wurden nach selbstständiger illegaler Einreise gestellt.

Nachfolgend die detaillierte Aufschlüsselung der neuen Asylgesuche ab dem Jahr 2015:

  2015 2016 2017 2018 2019
(30.9.)
Asylgesuche nach selbstständiger Einreise in die CH 8573 2942 498 491 214
Asylgesuche aufgrund Geburt in der CH 1030 1367 1389 1445 1095
Asylgesuch aufgrund von Familiennachzug 335 583 816 797 864
2. Asylgesuch nach Ablehnung (Mehrfachgesuch) 28 34 57 63 79
Asylgesuche nach Einreise via Relocation 0 252 615 29 3
Total neue Asylgesuche 9966 5178 3375 2825 2255

Die Lage in Eritrea

Seit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 wird das Land von Isaias Afewerki beziehungsweise von seiner Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) allein regiert. Es hat seither keine Wahlen gegeben, und die 1997 verabschiedete Verfassung trat nie in Kraft. Personen, welche die Regierung kritisieren, werden meist ohne Verfahren inhaftiert. Auch die Religionsfreiheit ist stark eingeschränkt.

Seit dem eritreisch-äthiopischen Grenzkrieg 1998–2000 müssen alle Eritreer einen zeitlich unbeschränkten "Nationaldienst" leisten, bisher ohne Aussicht auf Entlassung – entweder im Militär oder im zivilen Bereich. Der Sold ist sehr gering. Ort und Inhalt des Diensts können nicht gewählt werden. 2018 schlossen Eritrea und Äthiopien ein Friedensabkommen. Die bilateralen Beziehungen haben sich verbessert.

Die in die Schweiz reisenden eritreischen Migrantinnen und Migranten sind vorwiegend Personen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Sie reisen meist auf dem Landweg via Äthiopien und Sudan nach Libyen, von dort weiter mit Booten nach Italien. Ihre wichtigsten Zielländer in Europa sind Schweden, Deutschland, Norwegen, die Niederlande und die Schweiz.

Engagement der Schweiz vor Ort

Das SEM engagiert sich seit 2015 im Bildungsbereich in Eritrea. Ziele der Projekte sind die Verbesserung der Qualität der Lehrerausbildung, die Stärkung der Resilienz von Kindern und Jugendlichen und ein verbesserter Zugang zur Grundschulbildung. Auch werden Kinder, Jugendliche und Gemeindemitglieder für das Thema irreguläre Migration und damit einhergehende mögliche Konsequenzen sensibilisiert. Bis 2018 finanzierte das SEM auch ein Berufsbildungsprojekt zur Förderung von Jugendlichen, die keinen Sekundarschulabschluss hatten und daher nicht in den staatlichen Berufsausbildungszentren zugelassen, sondern häufig in den Militärdienst eingezogen wurden. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ist nach einer mehrjährigen Pause aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen für Hilfsorganisationen und im Hinblick auf die Konzentration auf Schwerpunktländer, seit 2017 erneut mit Berufsbildungsprojekten in Eritrea tätig.

Zudem finanziert das SEM Projekte in der Region, um einen besseren Schutz sowie bessere Lebensbedingungen für Flüchtlinge und Migranten auf den Migrationsrouten zu gewähren. So wurde die Strategie von UNHCR und IOM im Kampf gegen Menschenhandel und -schmuggel unterstützt, unter anderem durch die Finanzierung eines Projekts, das insbesondere eritreischen Flüchtlingen in Khartum und im Ostsudan zugute kam. Zudem wird ein Zentrum in Äthiopien unterstützt, das als Anlaufstelle für Flüchtlinge rechtliche Beratung anbietet, gemeinsam mit den Flüchtlingen mögliche Erwerbstätigkeiten erarbeitet und Darlehen für den Aufbau eigener Unternehmen erteilt.

Weitere Infos

Links

Schweizer Hilfe vor Ort

nach oben Letzte Änderung 01.03.2019