Asylsuchende aus Eritrea

Schlagwörter: Asyl

Im Jahr 2017 sind rund 119 500 Migrantinnen und Migranten in Süditalien angelandet. Die allermeisten, nämlich 90 %, sind durch Libyen gereist. Rund 7000 Personen davon waren eritreische Staatsangehörige, das sind fast dreimal weniger als 2016 (20 700). Im Jahr 2018 ging die Zahl der eritreischen Staatsangehörigen weiter zurück. Bisher haben rund 3300 Eritreer Italien auf dem Seeweg erreicht (Stand 10.12.). Seit Anfang 2018 haben rund 800 Eritreerinnen und Eritreer in Italien ein Asylgesuch gestellt.

Die Lage in Eritrea

Seit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 wird das Land von Isaias Afewerki beziehungsweise von seiner Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) allein regiert. Es hat seither keine Wahlen gegeben, und die 1997 verabschiedete Verfassung trat nie in Kraft. Personen, welche die Regierung kritisieren, werden meist ohne Verfahren inhaftiert. Auch die Religionsfreiheit ist stark eingeschränkt.

Seit dem eritreisch-äthiopischen Grenzkrieg 1998–2000 müssen alle Eritreer einen zeitlich unbeschränkten "Nationaldienst" leisten, bisher ohne Aussicht auf Entlassung – entweder im Militär oder im zivilen Bereich. Der Sold ist sehr gering. Ort und Inhalt des Diensts können nicht gewählt werden. 2018 schlossen Eritrea und Äthiopien ein Friedensabkommen. Die bilateralen Beziehungen haben sich verbessert, die Grenzen sind wieder geöffnet.

Die in die Schweiz reisenden eritreischen Migrantinnen und Migranten sind vorwiegend Personen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Sie reisen meist auf dem Landweg via Sudan nach Libyen, von dort weiter mit Booten nach Italien. Ihre wichtigsten Zielländer in Europa sind Schweden, Deutschland, Norwegen, die Niederlande und die Schweiz.

Asylgesuche in der Schweiz

Ein Mann arbeitet auf einer Waldlichtung und entfernt wilde Pflanzen.
enlarge_picture Ein eritreischer Asylsuchender bei einem freiwilligen Arbeitsdienst, wie sie von den Bundesasylzentren organisiert werden. (Foto: SEM © Thomas Kern)

Die Asylmigration von Eritreern weist grosse saisonale Schwankungen auf. In den Jahren 2014 und 2015 verlief die Asylgesuchstellung von Eritreern jeweils nach demselben Schema: Sobald im zentralen Mittelmeer stabile Witterungsverhältnisse herrschten, nahm die Zahl der Personen, die in Süditalien landeten, zu. In der Folge stieg auch die Zahl der Asylgesuche von eritreischen Staatsangehörigen in der Schweiz und erreichte jeweils im Juni oder Juli ihren Höhepunkt. Ab Ende Juli ging die Zahl der Anlandungen von Asylsuchenden in Süditalien zurück. Einige Wochen später begann die Zahl der Asylgesuche von Eritreern auch in der Schweiz zu sinken. Im Jahr 2016 registrierte das Staatssekretariat für Migration (SEM) 5178 Asylanträge von Gesuchstellenden aus Eritrea, das sind 48 % weniger als 2015. Im Jahr 2018 stellten 2825 Eritreer ein Asylgesuch in der Schweiz, davon entfielen 797 Gesuche auf Familienzusammenführung, 29 auf das europäische Relocation-Programm und 1444 auf Geburten.

Selbstverständlich wird wie bei allen Asylgesuchen auch bei den Gesuchen von eritreischen Staatsangehörigen jeder Einzelfall sorgfältig untersucht und die Glaubhaftigkeit der Aussagen von Asylsuchenden überprüft. Im Jahr 2016 gewährte das SEM bei 42,5 % der eritreischen Anträge Asyl, 2017 bei 50,6 %. Wenn das SEM entdeckt, dass jemand die Aufnahmebereitschaft der Schweiz durch unwahre Angaben oder gar durch kriminelle Tätigkeiten missbraucht, ergreift es geeignete Massnahmen.

Engagement der Schweiz vor Ort

Das SEM engagiert sich seit 2015 im Bildungsbereich in Eritrea. Ziele der Projekte sind die Verbesserung der Qualität der Lehrerausbildung, die Stärkung der Resilienz von Kindern und Jugendlichen und ein verbesserter Zugang zur Grundschulbildung. Auch werden Kinder, Jugendliche und Gemeindemitglieder für das Thema irreguläre Migration und damit einhergehende mögliche Konsequenzen sensibilisiert. Bis 2018 finanzierte das SEM auch ein Berufsbildungsprojekt zur Förderung von Jugendlichen, die keinen Sekundarschulabschluss hatten und daher nicht in den staatlichen Berufsausbildungszentren zugelassen, sondern häufig in den Militärdienst eingezogen wurden. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ist nach einer mehrjährigen Pause aufgrund der schwieriegen Rahmenbedingungen für Hilfsorganisationen und im Hinblick auf die Konzentration auf Schwerpunktländer, seit 2017 erneut mit Berufsbildungsprojekten in Eritrea tätig.

Zudem finanziert das SEM Projekte in der Region, um einen besseren Schutz sowie bessere Lebensbedingungen für Flüchtlinge und Migranten auf den Migrationsrouten zu gewähren. So wurde die Strategie von UNHCR und IOM im Kampf gegen Menschenhandel und -schmuggel unterstützt, unter anderem durch die Finanzierung eines Projekts, das insbesondere eritreischen Flüchtlingen in Khartum und im Ostsudan zugute kam. Zudem wird ein Zentrum in Äthiopien unterstützt, das als Anlaufstelle für Flüchtlinge rechtliche Beratung anbietet, gemeinsam mit den Flüchtlingen mögliche Erwerbstätigkeiten erarbeitet und Darlehen für den Aufbau eigener Unternehmen erteilt.

Weitere Infos

Links

Schweizer Hilfe vor Ort

nach oben Letzte Änderung 01.03.2019