Asylsuchende aus Eritrea

Schlagwörter: Asyl

Im Jahr 2016 sind rund 181 500 Migrantinnen und Migranten in Süditalien angelandet. Die allermeisten, nämlich 90 %, sind durch Libyen gereist. Etwa 20 700 eritreische Staatsangehörige haben Süditalien über das Mittelmeer erreicht, das sind rund zweimal weniger als 2015 (39 150). In diesem Jahr haben fast ein Drittel der Eritreerinnen und Eritreer in Italien ein Asylgesuch gestellt, während es 2015 weniger als 5 % waren.

Die Lage in Eritrea

Seit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 wird das Land von Isaias Afewerki beziehungsweise von seiner Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) allein regiert. Es hat seither keine Wahlen gegeben, und die 1997 verabschiedete Verfassung trat nie in Kraft. Personen, welche die Regierung kritisieren, werden meist ohne Verfahren inhaftiert. Auch die Religionsfreiheit ist stark eingeschränkt.

Seit dem eritreisch-äthiopischen Grenzkrieg 1998–2000 müssen alle Eritreer einen zeitlich unbeschränkten «Nationaldienst» leisten ohne Aussicht auf Entlassung – entweder im Militär oder im zivilen Bereich. Der Sold ist sehr gering. Ort und Inhalt des Diensts können nicht gewählt werden. Viele junge Eritreer treibt diese Perspektivenlosigkeit in die Emigration.

Die in die Schweiz reisenden eritreischen Migrantinnen und Migranten sind vorwiegend Personen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Sie reisen meist auf dem Landweg via Sudan nach Libyen, von dort weiter mit Booten nach Italien. Ihre wichtigsten Zielländer in Europa sind Schweden, Deutschland, Norwegen, die Niederlande und die Schweiz.

Asylgesuche in der Schweiz

Die Asylmigration von Eritreern weist grosse saisonale Schwankungen auf. In den Jahren 2014 und 2015 verlief die Asylgesuchstellung von Eritreern jeweils nach demselben Schema: Sobald im zentralen Mittelmeer stabile Witterungsverhältnisse herrschten, nahm die Zahl der Personen, die in Süditalien landeten, zu. In der Folge stieg auch die Zahl der Asylgesuche von eritreischen Staatsangehörigen in der Schweiz und erreichte jeweils im Juni oder Juli ihren Höhepunkt. Ab Ende Juli ging die Zahl der Anlandungen von Asylsuchenden in Süditalien zurück. Einige Wochen später begann die Zahl der Asylgesuche von Eritreern auch in der Schweiz zu sinken. Im Jahr 2016 registrierte das Staatssekretariat für Migration (SEM) 5178 Asylanträge von Gesuchstellenden aus Eritrea, das sind 48 % weniger als 2015.

Selbstverständlich wird wie bei allen Asylgesuchen auch bei den Gesuchen von eritreischen Staatsangehörigen jeder Einzelfall sorgfältig untersucht und die Glaubhaftigkeit der Aussagen von Asylsuchenden überprüft. Im Jahr 2016 gewährte das SEM bei 42,5 % der eritreischen Anträge Asyl. Wenn das SEM entdeckt, dass jemand die Aufnahmebereitschaft der Schweiz durch unwahre Angaben oder gar durch kriminelle Tätigkeiten missbraucht, ergreift es geeignete Massnahmen.

Engagement der Schweiz vor Ort

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hat ihr langjähriges Engagement mit Präsenz vor Ort aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen für Hilfsorganisationen und im Hinblick auf die Konzentration auf Schwerpunktländer im Jahr 2006 beendet. Die Strategie der Schweiz zum Horn von Afrika bezieht Eritrea allerdings in die politischen, humanitären und entwicklungspolitischen Analysen mit ein. Im Rahmen des «Protection in the Region»-Programms am Horn von Afrika finanzierte das SEM bis 2015 zwei regionale Projekte, um einen besseren Schutz sowie bessere Lebensbedingungen für Flüchtlinge und Migranten auf der West- und Ostmigrationsroute zu gewähren. Auch wird die Strategie von UNHCR und IOM im Kampf gegen Menschenhandel und -schmuggel seit 2012 unterstützt, aktuell durch die Finanzierung eines Projekts, das insbesondere eritreischen Flüchtlingen in Khartum und im Ostsudan hilft. Ende 2014 begannen ein Projekt des Norwegian Refugee Council für eritreische Flüchtlinge in Äthiopien sowie ein Projekt des UNHCR für minderjährige Asylsuchende, die in äthiopischen Flüchtlingslagern im Norden des Landes untergebracht sind. Des Weiteren wird ein Projekt für freiwillige Rückkehrer aus Ägypten und Sudan, das Staatsbürger vom Horn von Afrika einschliesst, gefördert. Mit dem Ziel, das regionale Migrationsmanagement zu stärken, unterstützt das SEM gemeinsam mit der DEZA das Migrationsprogramm der Intergovernmental Authority on Development (IGAD).

Das SEM finanziert seit Januar 2016 erstmals ein Projekt in Eritrea selber. Das Projekt konzentriert sich auf Jugendliche, die keinen Sekundarschulabschluss haben und daher nicht in den staatlichen Berufsausbildungszentren zugelassen, sondern häufig in den Militärdienst eingezogen werden. Sie erhalten eine Ausbildung und ein Start-Up-Kit für ihren Einstieg in die Berufswelt.

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nach oben Letzte Änderung 23.03.2017