Warum Menschen migrieren

Immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat um anderswo einen besseren Platz zum Leben zu finden. Die wachsende globale Mobilität erleichtert es einem immer grösseren Personenkreis, ferne Länder oder andere Kontinente zu erreichen. Länder mit hohem Lebensstandard und Wohlstand sind die bevorzugten Ziele.

Kein Land kann die Zuwanderung einer beliebigen Zahl von Fremden verkraften. Die meisten Staaten sorgen mit strikten Einwanderungsbestimmungen dafür, dass die Interessen der heimischen Bevölkerung gewahrt bleiben. Die meisten Nationen anerkennen die Verpflichtung, bedrohten Personen Schutz und Asyl zu gewähren.

Jeder hat seine eigenen Gründe

In der Regel ist es nicht ein einzelner Grund, der jemanden dazu bewegt aufzubrechen und fern der Heimat zu leben, sondern ein komplexes Geflecht von verschiedenen Ursachen:

  • Die junge Italienerin würde kaum in Aarau leben, wenn ihre Eltern nicht vor vielen Jahren als Fabrikarbeiter in den Aargau rekrutiert worden wären. Weil sie ihre Jugend in der Schweiz verbracht hat und die meisten ihrer Freunde hier leben, ist es verständlich, dass sie sich hier mehr zu Hause fühlt, als in ihrer ursprünglichen Heimat Italien.
  • Wegen der tieferen Lebenskosten allein wäre der Zürcher Rentner kaum nach Spanien übersiedelt. Der Einfluss des warmen Klimas auf die Rheumaerkrankung seiner Frau, die fröhliche Stimmung in der Senioren-Siedlung, der beruflich bedingte Umzug der erwachsenen Kinder und andere Veränderungen im Alltag haben letztlich den Auswanderungsentscheid bewirkt.
  • Der kurdische Asylsuchende hätte kleine Repressalien, Schikanen und politische Einschränkungen im Alltag möglicherweise weiterhin erduldet, wenn er in seinem Dorf oder in der näheren Umgebung Arbeit gefunden hätte.

Unzählige Menschen sind durch die Umstände in ihrer Heimat ernsthaften Bedrohungen ausgesetzt: Für Oppositionelle kann die Situation lebensgefährlich werden, wenn diktatorische Kräfte die Macht im Staat an sich reissen. Angehörige von ethnischen oder religiösen Minderheiten können in Gefahr geraten, wenn ein Staat rassistische Ausschreitungen toleriert.

Wo Rechtsstaatlichkeit und Gewährleistung grundlegender Menschenrechte fehlen, sind Menschen oft schutzlos der Unterdrückung und Verfolgung durch Staatsorgane ausgeliefert.

Viele suchen nach besseren wirtschaftlichen Perspektiven
Überdurchschnittlich oft spielt der Wunsch nach Arbeit und Verdienst eine zentrale Rolle. Viele lassen sich durch das Beispiel erfolgreicher Auswanderer aus ihrer Familie oder ihrem Dorf zum Aufbruch in die Ferne motivieren.

Die Mehrheit der Menschen, die in fremden Ländern Arbeit suchen, betrachten diesen Schritt als temporäre Veränderung ihres Lebens. Sie verlassen ihre Heimat mit der Hoffnung, eines Tages zurückkehren zu können. Viele träumen davon, in der Fremde genügend Geld zu verdienen um eines Tages in der alten Heimat ein eigenes kleines Geschäft aufbauen zu können. Jahre in der Fremde, ein Leben in einer Welt mit anderen Werten und Lebensgewohnheiten führt jedoch oftmals dazu, dass Betroffene ihre Beziehungen zur alten Heimat verlieren.

Die Abwanderung von Fachleuten schwächt ihre Heimatstaaten

Gut ausgebildete und initiative Menschen entschliessen sich leichter zur Migration. In der Regel verschärft die Abwanderung oder Vertreibung von Menschen die wirtschaftlichen und politischen Probleme in den Ursprungsstaaten. Junge Männer mit guter Ausbildung sind unter den Migrierenden überdurchschnittlich stark vertreten. Sie trauen sich eher zu, anderswo erfolgreich Fuss zu fassen. Andererseits lindern Geldüberweisungen der Auswanderer die Armut zuhause.

Wirtschaftliche Aspekte prägen die Einwanderungsregelungen vieler Nationen

Die meisten Staaten, auch die Schweiz, richten ihre Zulassungsbedingungen nach den Bedürfnissen ihres Arbeitsmarktes aus. In westlichen Ländern fehlen der Wirtschaft in vielen Bereichen Fachleute. Wer die richtige Ausbildung und Erfahrung hat, findet im Ausland leichter einen Platz. Auch Hilfskräfte werden von der Industrie, vom Gesundheitswesen und der Landwirtschaft in grosser Zahl benötigt. Die meisten Staaten rekrutieren dafür geeignete Arbeitskräfte in ausgewählten Ländern und Regionen.

Mehrheit der Ausländerinnen und Ausländer von der Wirtschaft in die Schweiz geholt
In der Schweiz bilden die aus EU- oder EFTA-Staaten herbeigeholten Arbeitskräfte und ihre Angehörigen die grösste Gruppe der Ausländerinnen und Ausländer im Land. Sie umfasst etwas mehr als 80 Prozent der ausländischen Wohnbevölkerung.

Zustrom von Asylsuchenden lässt sich nur schwer beeinflussen

Die Zuwanderung von Arbeitskräften lässt sich über Kontingente steuern. Bei Asylsuchenden ist dies nicht möglich. Die meisten Erwachsenen, die in EU- oder EFTA-Staaten Unterschlupf suchen, wissen, dass in diesen Ländern nur qualifizierte Fachkräfte in Mangelberufen eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Sie wissen auch, dass es wenig Sinn macht, bei einem Schweizer Grenzposten um Asyl zu ersuchen, da sie sich auf dem Territorium des Nachbarstaates bereits in einem sicheren Drittstaat befinden. Die Mehrheit der Asylsuchenden reist deshalb illegal in die Schweiz ein.

nach oben Letzte Änderung 19.10.2015