Migrationsgründe

Nie zuvor lebten mehr Menschen fern ihrer Heimat. Schlechte Lebensbedingungen, Gewalt und kriegerische Auseinandersetzungen, Umweltprobleme, mangelnde wirtschaftliche Perspektiven und die wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern tragen dazu bei. Globale Mobilität und neue Medien haben ebenfalls grossen Einfluss auf die aktuelle Völkerwanderung.

Seit Menschen die Erde bevölkern, ziehen immer wieder Völkergruppen in andere Regionen der Welt, weil sie hoffen dort bessere Existenzgrundlagen zu finden. Kriege haben in den letzten Jahrhunderten mehrfach riesige Flüchtlingsströme ausgelöst.

In den letzten Jahrzehnten hat die globale Migration ein bisher nie gekanntes Ausmass angenommen. Erhebungen internationaler Organisationen kommen zum Schluss, dass sich gegenwärtig über 175 Millionen Menschen fern ihrer Heimat aufhalten. Rund 19,2 Millionen Menschen gelten als "Flüchtlinge" oder "Kriegsvertriebene".

Schlechte Lebensbedingungen erzeugen Druck zur Migration

"Migrant" oder "Migrantin" werden Menschen genannt, die ausserhalb ihres Heimatstaates leben. Viele verlassen ihr Zuhause, weil es dort an fruchtbarem Acker- und Weideland, an Nahrung, an Wasser, an Arbeit oder anderen Lebensgrundlagen fehlt. Auch die Folgen von Umweltkatastrophen wie Trockenheit oder Überschwemmungen können Tausende zum Verlassen ihrer Heimat zwingen. Rund zwei Drittel aller Menschen leben heute in wirtschaftlich schwachen Staaten.

Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich ist die bedeutendste Triebkraft der globalen Migration. 1960 verfügte das reichste Fünftel der Weltbevölkerung im Schnitt über ein 30 mal höheres Einkommen als das ärmste Fünftel. Bis zum Jahr 1990 war es bereits 60 mal so gross.

Die Bevölkerung wächst, die wirtschafliche Entwicklung stockt

Das enorme Bevölkerungswachstum und die schlechten wirtschaftlichen Entwicklungsperspektiven mancher Regionen erzeugen gewaltigen Migrationsdruck.

Den Staaten der Dritten Welt und der ehemaligen Sowjetunion fehlt es an Kapital und Know-how. In manchen Ländern absorbiert die Schuldenlast einen Grossteil der wirtschaftlichen Kraft. Sinkende Rohstoffpreise sowie Zollschranken und Einfuhrbeschränkungen der Industriestaaten verhindern den Aufbau tragfähiger Exportindustrien. Instabile Wirtschaftspolitik, mangelde Rechtssicherheit und weit verbreitete Korruption halten Investoren und Konzerne davon ab, Industrieprojekte mit Langzeitperspektiven in diesen Ländern anzusiedeln.

Gewalt und Machtmissbrauch zwingen Menschen zur Flucht

Mit dem Begriff "Flüchtling" werden Personen bezeichnet, die aufgrund ihrer Rasse, Religion, Ethnie oder wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt werden. Personen, deren Freiheit oder Leben in diesem Sinne bedroht sind, haben aufgrund internationaler Vereinbarungen Anrecht auf Schutz durch fremde Staaten.

"Kriegsvertriebene" sind nicht wegen persönlicher Verfolgung auf der Flucht, sondern wegen eskalierender Gewalt, welche sich gegen grosse Teile der Bevölkerung einer Region oder eines Landes richtet. Betroffene solcher Konflikte flüchten meist in grosser Zahl in sicherere Regionen ihres Heimatstaates oder in ein Nachbarland. Um Unruhen, Hungersnöten, Seuchen und anderen Problemen vorzubeugen, werden sie häufig in Flüchtlingslagern untergebracht. Die Aufnahme und Versorgung grosser Flüchtlingsmassen zehrt in hohem Masse an den Kräften der betroffenen Staaten. Flüchtlingscamps mit Zehntausenden von fremden Menschen lösen bei der Bevölkerung des Aufnahmestaates oftmals Verunsicherung aus. Dies kann die innenpolitische Stabilität des betroffenen Landes gefährden und neue Konflikte provozieren.

In solchen Situationen sind Nationen, die in Frieden und stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen leben, aufgefordert, mit solidarischen Massnahmen einen Teil der Last zu übernehmen (z.B. vorübergehende Aufnahme von Kriegsvertriebenen, Friedensmissionen, Material- und Wiederaufbauhilfe).

Die reichen Industriestaaten werden erreichbarer

Tourismus, Fernsehen und Internet erhöhen den Anreiz zur Migration. Sie führen den Ärmsten den Wohlstand der Begüterten vor Augen. Der wachsende Flugverkehr erleichtert die Reise in ferne Industriestaaten. Bisher ist nur ein Bruchteil der Migrationswilligen in der Lage, Zielländer auf anderen Kontinenten zu erreichen. Dies könnte sich aber rasch ändern, denn erfolgreiche Auswanderer überweisen erhebliche Anteile ihres Einkommens an ihre Verwandten zu Hause. Das verschafft immer mehr Menschen das nötige Geld für den Aufbruch in ferne Länder. Migrantinnen und Migranten bevorzugen Staaten, in denen sich bereits viele ihrer Landsleute aufhalten. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies: Migration erzeugt weitere Migration.

nach oben Letzte Änderung 20.11.2014