Resettlement

Der Bundesrat hat am 4. September 2013 beschlossen, im Rahmen eines Resettlement-Programms des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) insgesamt 500 besonders verletzliche Flüchtlinge in Gruppen aufzunehmen. Der Bundesrat hat dafür im September 2013 ein neues Konzept zur Aufnahme von Flüchtlingsgruppen über drei Jahre verabschiedet. Ziel ist es, dass die Schweiz besonders verletzliche Flüchtlinge aufnimmt, die vom UNHCR bereits als Flüchtlinge anerkannt worden sind. Das Pilotprojekt sieht vor, dass 40 bis 60 % der aufzunehmenden Flüchtlinge Frauen und Mädchen und mindestens 7 % physisch und psychisch geschwächte Personen sein sollen.

Die Flüchtlinge sollen in einem Zeitraum von 3 Jahren in der Schweiz ankommen. Anschliessend wird das Pilotprojekt vom Staatssekretariat für Migration (SEM) gemeinsam mit den Kantonen evaluiert.

Das sogenannte Resettlement-Projekt soll gewährleisten, dass die Schweiz ihrer humanitären Tradition auch in Zukunft gerecht werden kann. Es ist deshalb ein Pfeiler der Schweizer Solidaritätsleistungen zu Gunsten der Vertriebenen in Krisenregionen – nebst der Hilfe vor Ort.

Das Aufnahmeverfahren und die Auswahl der Flüchtlinge geschehen in enger Zusammenarbeit mit dem UNHCR. Der Ablauf sieht vor, dass die Schweiz dem UNHCR meldet, wie viele Personen sie aufnehmen kann. In der Folge wählt das UNHCR besonders vulnerabler Personen (Kranke, Traumatisierte, Behinderte, Betagte) aus. Es übermittelt anschliessend die Dossiers der Schweiz. Das Staatssekretariat für Migration seinerseits prüft jeden Fall einzeln und befragt alle Personen vor Ort oder per Video. Alle Dossiers werden auch auf Ausschlussgründe und nachrichtendienstlich überprüft. Die Flüchtlinge aus dem Resettlement-Projekt erhalten in der Schweiz direkt Asyl, ohne ein herkömmliches Asylverfahren zu durchlaufen.

Das Umsetzungskonzept des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) sieht vor, dass die Flüchtlinge im Bereich der Integration eng begleitet werden. Das spezifische Integrationsprogramm wird in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen erarbeitet und umgesetzt. Hauptziel ist die Verbesserung der beruflichen Integration der Flüchtlinge. Im Fokus stehen die besonderen Bedürfnisse dieser besonders verletzlichen Personen.

Bei der Entwicklung des Pilotprojekts hat das SEM die positiven Erfahrungen zahlreicher Staaten mit Resettlement-Programmen einfliessen lassen. Auch die aktuellen Erkenntnisse zur beruflichen Integration von Flüchtlingen sind berücksichtigt worden. Als Vorbild diente ein Integrationsmodell aus Skandinavien mit einer Laufzeit von zwei Jahren.

Das spezifische Integrationsprogramm setzt daher bereits vor Ort an. Mittels einer pre-departure-cultural-orientation (PCO) werden die Flüchtlingsgruppen intensiv über die Gegebenheiten in der Schweiz (Werte der Bundesverfassung, Arbeits- und Bildungslandschaft, Sozialwerke etc.) und ihren Aufnahme- und Integrationsprozess vorbereitet.

Nachdem die Flüchtlinge in der Schweiz angekommen sind, erarbeiten die kantonalen Behörden jedem Flüchtling einen individuellen Integrationsplan für eine Laufzeit von zwei Jahren. Sie führen die Flüchtlinge den entsprechenden Massnahmen zu. Dies können beispielsweise ausgebaute Intensivsprachkurse oder Alphabetisierungskurse sein, Sonderangebote der frühen Förderung für Eltern oder Sonderpädagogische Massnahmen in der Schule sein.

Phase

Zuständigkeit

Ort

Massnahmen

Phase I

SEM

Ausreiseland

Informationsveranstaltungen (2 Tage)

Phase II

SEM

Empfangszentrum CH

Medizinische Abklärung
Informationsveranstaltung Kanton

Phase III

Kanton

Kollektiv-
unterkunft

Akklimatisationsphase (max. 3 Monate)
- Erstellung des individuellen Integrationsplans
- Erste Integrationsmassnahmen
- Vorbereitung der Unterbringung und der Einschulung

Phase IV

Kanton

Gemeinde

Integrationsphase (inkl. Phase III max. 2 Jahre)
Umsetzung des individuellen Integrationsplans

Massnahmen in den Bereichen:

- Bildung und Arbeit  

- Sprache

- Frühförderung  

- Schule

- Gesundheit  

- Soziale Integration

 

Eine weitere Besonderheit des spezifischen Integrationsprogramms ist die Einsetzung einer Ansprechperson, welche die gezielte Zusammenarbeit zwischen den Flüchtlingen und den betroffenen Schweizer Institutionen (Lehrpersonen, Gesundheitswesen, Arbeitsintegration, Betriebe, Frühförderung etc.) gewährleistet. Die Kantone stellen sicher, dass jedem Flüchtling ein Coach zur Seite gestellt wird, welcher den individuellen Integrationsprozess begleitet und die Flüchtlinge unterstützt. Der Verlauf des Integrationsprozesses des einzelnen Flüchtlings wird durch ein begleitendes Monitoring beobachtet und laufend ausgewertet.

Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt sollen eingehend evaluiert werden. Die Erkenntnisse sollen die Weiterführung und Institutionalisierung einer schweizerischen Aufnahmepraxis ermöglichen, aber auch für die Entwicklung von "best practices" im Bereich Integration von anerkannten Flüchtlingen von Nutzen sein. Hierfür stellt das SEM ein Monitoringinstrument zur Verfügung, welches durch die Coaches der Aufnahmekantone gepflegt wird.

Zwischenbericht Pilotprogramm Resettlement, Dezember 2016

Der Bundesrat hat am 4. September 2013 angesichts der humanitären Krise in Syrien beschlossen, dass die Schweiz sich mit der Aufnahme von 500 besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen wieder an der Kontingentspolitik des UNHCR beteiligt. Der Bundesratsauftrag für ein Pilotprojekt Resettlement an das Staatssekretariat für Migration (SEM) beinhaltet die Aufnahme dieser Flüchtlinge in Gruppen und die Pilotierung eines speziellen Integrationsprogramms für Flüchtlingsgruppen. Das spezielle Integrationsprogramm orientiert sich an sieben strategischen Zielsetzungen und bezweckt, nebst der Förderung der Integration, auch eine Prüfung von neuen Modellen und Massnahmen, die längerfristig für die Integration von allen anerkannten Flüchtlingen angewendet werden können. Das spezielle Integrationsprogramm wird durch ein detailliertes, fallbezogenes Monitoring begleitet, das zweimal pro Jahr quantitativ ausgewertet und mit den beteiligten Pilotkantonen in Workshops reflektiert wird. Zudem ist eine qualitative und quantitative Evaluation des Pilotprogramms geplant, die sich teilweise ebenfalls auf die Daten des Monitorings stützen wird.

Der vorliegende Bericht zeigt zunächst die Einbettung des Pilotprojekts Resettlement im schweizerischen und internationalen Kontext auf und beschreibt die gestaffelte Aufnahme- und Einreiseverfahren der Flüchtlingsgruppen sowie deren Zuweisung an die Kantone (Kapitel 1). Des Weiteren werden die Eckpunkte der Umsetzung des speziellen Integrationsprogramms in den acht beteiligten Aufnahmekantonen gemäss dem Entscheid und Auftrag des Bundesrats vom 4. September 2013 dargelegt (Kapitel 2). Schliesslich werden die Ergebnisse der aktuellen Zwischenauswertung des Monitorings (Stand 31. Mai 2016) präsentiert (Kapitel 3).

    

nach oben Letzte Änderung 09.12.2016