Grundlagen zur Arbeitsmarktzulassung von ausländischen Personen

   


Die Schweiz kennt bei der Zulassung ausländischer Arbeitskräfte ein duales System. Erwerbstätige aller Qualifikationsstufen aus den EU-/EFTA-Staaten erhalten durch das Personenfreizügigkeitsabkommen einfachen Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt. Aus allen anderen Staaten – sogenannte Drittstaaten – werden gemäss Auftrag des Bundesrates in beschränktem Ausmass lediglich gut qualifizierte Arbeitskräfte zugelassen, da diese erfahrungsgemäss bessere langfristige berufliche und soziale Integrationschancen haben als Personen mit tieferen Qualifikationen.

Die Zulassungskriterien sind im Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) und der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) aufgeführt. Sie werden in den AuG-Weisungen näher erläutert.

Wir erklären Ihnen zusammenfassend die wichtigsten Zulassungskriterien, damit Sie einerseits verstehen, unter welchen Voraussetzungen die Behörden eine Bewilligung erteilen können und damit Sie damit andererseits in der Lage sind, Ihr Gesuch vollständig und gut dokumentiert einzureichen. 

Die folgenden Ausführungen gelten für alle Branchen. Für bestimmte Branchen wurden die Anforderungen an die persönlichen Voraussetzungen jedoch ausführlicher geregelt, Angaben zu den minimalen Lohn- und Arbeitsbedingungen gemacht und die Sachverhalte dargelegt, in denen von den Zulassungsvoraussetzungen abgewichen werden kann. Diese zusätzlichen Informationen finden Sie in Ziffer 4.7 der AuG-Weisungen. Angaben darüber, wo Sie ein Gesuch einreichen müssen und wie das Verfahren abläuft, erhalten Sie auf der Seite Verfahrensablauf.


Vorrang

(Art. 21 AuG)

Die Zulassung von Drittstaatsangehörigen ist erst möglich, wenn auf dem inländischen Arbeitsmarkt und auf den Arbeitsmärkten der EU/EFTA-Länder keine Personen mit Vorrang zur Verfügung stehen. Vorrang geniessen Schweizerinnen und Schweizer, Ausländerinnen und Ausländer mit Niederlassungsbewilligung, Ausländerinnen und Ausländer mit Aufenthaltsbewilligung, die zu einer Erwerbstätigkeit berechtigt, sowie alle Personen aus Staaten, mit denen ein Freizügigkeitsabkommen geschlossen wurde (derzeit EU und EFTA). Die Arbeitgeber müssen den Nachweis erbringen, dass trotz umfassender Suchbemühungen keine geeigneten Arbeitskräfte mit Vorrang rekrutiert werden konnten.

Die Stellen sind grundsätzlich den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zu melden, wobei anzugeben ist, dass auch eine Ausschreibung im European Employment System (EURES = Stellenvermittlungssystem der EU) erfolgen soll. In der Regel erhalten die Arbeitgeber nach einer Zuweisung einen Fragebogen, in dem erklärt werden kann, weshalb die zugewiesene Person nicht angestellt wurde.

Darüber hinaus ist den Behörden darzulegen, dass die Suche über die in der Branche üblichen Rekrutierungskanäle (Fachzeitschriften, Stellenbörsen, bei Grossunternehmen eigene Internetseiten, etc.) erfolglos blieb. Geeignete Nachweise sind hier entweder Zeitungsinserate, Bestätigungen der Personalvermittler oder sonstige Dokumente. Oftmals hilfreich ist eine kurze Übersicht über alle Stellenbewerber mit kurzen Angaben, welche Qualifikationen für eine Anstellung fehlten. Ausserdem können in besonderen Fällen auch besondere Rekrutierungsbemühungen eingefordert werden.

Stellenvermittlungssysteme


Orts- und branchenübliche Lohn- und Arbeitsbedingungen

(Art. 22 AuG)

Der Lohn, die Sozialversicherungsbeiträge und die Arbeitsbedingungen für die ausländische Arbeitskraft müssen den orts-, berufs- und branchenüblichen Verhältnissen entsprechen. Einige Branchen legen diese Bedingungen in Gesamtarbeitsverträgen fest, welche national oder zumindest kantonal verbindlich sind. Die Behörden stellen mit der vorgängigen Kontrolle der Lohn- und Arbeitsbedingungen auch sicher, dass die ausländischen Mitarbeitenden nicht missbräuchlichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind und die inländischen Arbeitskräfte vor Lohndumping geschützt werden.

Der Arbeitgeber fügt dem Gesuch einen Arbeitsvertrag hinzu, der von ihm und dem Arbeitnehmer unterzeichnet ist und mit dem Vermerk versehen wird: "Vertrag gilt nur, wenn die Behörden eine Aufenthaltsbewilligung zur Erwerbstätigkeit erteilen". Dies dient der Rechtssicherheit für beide Vertragspartner. Hilfreich für die Behörden ist jeweils die Verwendung branchenüblicher Vertragsformulare.

Arbeitgeber müssen alle Angestellten bei den verschiedenen Sozialversicherungsinstitutionen anmelden. Gute und übersichtliche Informationen dazu bietet der Ratgeber Sozialversicherung, der vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) erarbeitet wurde.

Ausländische Arbeitskräfte ohne Niederlassungsbewilligung unterliegen zudem der Quellenbesteuerung. Die Arbeitnehmenden sind deshalb bei den Steuerbehörden anzumelden. Anschliessend ist der Arbeitgeber verantwortlich, dass er die Steuer jeweils monatlich vom Lohn abzieht und den Steuerbehörden überweist. Weitere Informationen dazu erteilen die kantonalen Steuerbehörden oder die Eidgenössische Steuerverwaltung. 

Das neue Bundesgesetz über die Schwarzarbeit (BGSA) sieht zum einen Erleichterungen bei der Abrechnung von Sozialversicherungsprämien für kleinere, unselbständige Tätigkeiten vor. Zum anderen wird durch neue Massnahmen und höhere Strafen die Bekämpfung der Schwarzarbeit verbessert. Nicht geändert hat sich der Grundsatz für Arbeitgeber und Ausländerinnen und Ausländer, dass für jede Erwerbstätigkeit – ob bezahlt oder unbezahlt – eine Bewilligung erforderlich ist. Verstösse gegen orts-, berufs- und branchenübliche Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie Schwarzarbeitsfälle werden in erster Linie von den kantonalen Behörden oder den in einigen Branchen speziell dafür eingerichteten Fachstellen untersucht.
    

Informationen


Persönliche Voraussetzungen

(Art. 23 AuG)

Zugelassen werden Führungskräfte, Spezialistinnen und Spezialisten sowie andere qualifizierte Arbeitskräfte. Als qualifizierte Arbeitskräfte gelten in erster Linie Personen mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss sowie mehrjähriger Berufserfahrung. Je nach Beruf oder Spezialisierung werden auch Personen mit besonderer fachlicher Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung zugelassen.

Für die Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen sind neben den beruflichen Qualifikationen auch Integrationskriterien zu berücksichtigen: berufliche und soziale Anpassungsfähigkeit, die Sprachkenntnisse und das Alter müssen eine nachhaltige Integration in den schweizerischen Arbeitsmarkt und das gesellschaftliche Umfeld erwarten lassen.

Die Qualifikationen werden anhand des Lebenslaufes, der Diplome und Arbeitszeugnisse der ausländischen Arbeitskraft geprüft. Die Behörden benötigen Kopien der Dokumente in Originalsprache sowie Übersetzungen, falls die Dokumente nicht in einer der Schweizer Amtssprachen oder in Englisch verfasst wurden.

Stammen die ausländischen Personen aus Ländern, welche ein wesentlich anderes Schul- und Berufsbildungssystem kennen als die Schweiz, ist es für die Behörden hilfreich, wenn Dokumente vorgelegt werden, die zusätzliche Angaben über die Ausbildungsinstitution sowie die Dauer und den Inhalt der Ausbildung enthalten (bspw. Studienplan, Ausbildungszeugnisse über abgelegte Prüfungsfächer und erzielte Resultate, etc.).
    


Abweichungen von den Zulassungsvoraussetzungen

In gewissen Fällen sind teilweise Abweichungen von den Zulassungsvoraussetzungen möglich. Die folgende Übersicht ist nicht abschliessend, stellt aber die häufigsten Fälle dar:

Zusammenarbeitsverträge/Projekte

  • Joint Ventures
  • Sicherstellung von Service- und Garantiearbeiten für Produkte aus dem Herkunftsland
  • Vorübergehende Aufgaben im Rahmen von Grossprojekten für Unternehmen mit Sitz in der Schweiz
  • Realisierung eines ausserordentlichen Auftrages

Praktikum, Aus- und Weiterbildung

  • Von Berufsverbänden
  • Von global tätigen Unternehmen
  • In genau definierten Bereichen mit Ausbildungskonzepten auch für KMU
  • Zur vorübergehenden Lehrtätigkeit an Hochschulen und Forschungsinstituten
  • Zur vorübergehenden Lehrtätigkeit an anerkannten ausländischen Lehranstalten

Kader- oder Spezialistentransfer

  • In transnationalen Unternehmen
  • Aus Gegenrechtserwägungen

Erschwerte Rekrutierungssituation auf dem Arbeitsmarkt

  • Branchen oder Personengruppen, welche in dringenden Fällen mit wirtschaftlicher Bedeutung vom SEM nach Absprache mit den zuständigen kantonalen Behörden und den betroffenen Branchenverbänden bestimmt werden.

Erwerbstätigkeit nach dem Studium

  • hoch qualifizierte Wissenschaftler mit in der Schweiz abgeschlossenem Studium in Fachrichtungen und Branchen, in denen nicht bereits ein genügendes Arbeitskräfteangebot besteht

Wirtschaftliche und für den Arbeitsmarkt Schweiz nachhaltig relevante Gründe

  • Erschliessung neuer Märkte
  • Sicherstellung von wirtschaftlich bedeutenden Verbindungen ins Ausland
  • Sicherstellung von Exportvolumen
  • Unternehmensgründungen oder Betriebserweiterungen mit Schaffung von nachhaltigen Arbeitsplätzen, für die inländische Arbeitnehmende rekrutierbar sind

Die Ausübung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit ist ohne Bewilligung möglich für Familienangehörige von Schweizerinnen und Schweizern und Niedergelassenen. Familienangehörige von Aufenthalterinnen und Aufenthaltern hingegen benötigen eine Bewilligung.
    


Wohnung

(Art. 24 AuG)

Ausländerinnen und Ausländer können zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit nur zugelassen werden, wenn sie über eine bedarfsgerechte Wohnung verfügen.
    


Rechtliche Grundlagen

nach oben Letzte Änderung 19.10.2015